Vom Rohbau zum verkauften Objekt: Vermarktungsstrategien für Bauträger im DACH-Raum

  • Georg Micheu

    Geschäftsführer

  • Kategorie

    Residential

  • Zeit

    7 min. Lesezeit

Vom Rohbau zum verkauften Objekt: Vermarktungsstrategien für Bauträger im DACH-Raum

Die Rahmenbedingungen für Neubauprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich in den vergangenen 24 Monaten spürbar verschoben. Gestiegene Finanzierungskosten, längere Vermarktungszeiträume und eine kritischere Käuferschaft führen dazu, dass die klassische Vertriebslogik – Baubeginn, Bemusterung, Notartermin – nicht mehr automatisch trägt. Für Bauträger und die mit dem Erstvertrieb betrauten Maklerhäuser stellt sich damit weniger die Frage, ob vermarktet werden soll, sondern wann, mit welchen Kanälen und mit welcher Preislogik.

Dieser Beitrag ordnet die aktuellen Vermarktungsphasen ein, zeigt anhand einer Vergleichstabelle, welche Absatzquoten pro Projektphase realistisch sind, und benennt die Stellschrauben, an denen Sie als Bauträger oder Vertriebspartner ansetzen können.

Der Markt hat sich normalisiert – nicht verschlechtert

Die häufig zitierte „Krise am Neubaumarkt“ ist bei näherer Betrachtung eine Rückkehr zu Vermarktungszyklen, wie sie vor der Niedrigzinsphase üblich waren. Wo Wohnungen zwischen 2018 und 2021 teilweise vor Baubeginn zu 80 Prozent platziert waren, liegen die Vorverkaufsquoten heute im DACH-Raum je nach Lage und Preisniveau eher zwischen 15 und 40 Prozent zum Zeitpunkt des Spatenstichs. Das ist kein Ausnahmezustand, sondern der Regelfall.

Für die Vermarktung bedeutet das: Sie planen nicht mehr gegen eine kurze Kaufentscheidungsphase, sondern begleiten Interessenten über mehrere Monate. Die Konsequenz ist eine mehrstufige Vertriebsarchitektur, in der jede Phase eigene Instrumente, Materialien und Preisspielräume erfordert.

Die vier Phasen eines Neubauvertriebs

In der Praxis haben sich vier klar unterscheidbare Vermarktungsphasen etabliert. Sie unterscheiden sich in der Ansprache, im Fertigstellungsgrad der Unterlagen und in den erzielbaren Preisen.

1. Pre-Marketing (vor Baugenehmigung): Sichtbarkeit aufbauen, Interessentenlisten füllen, ohne konkrete Preise zu kommunizieren.
2. Vorverkauf (Baugenehmigung bis Rohbaubeginn): Erste Einheiten mit Frühzeichnerkonditionen platzieren.
3. Bauphase (Rohbau bis kurz vor Fertigstellung): Hauptvermarktung mit vollständiger Bemusterung und Musterwohnung.
4. Abverkauf (nach Fertigstellung): Restanten platzieren, oft mit veränderten Zielgruppen und Konditionen.

Vergleichstabelle: Vermarktungsphasen im Überblick

Die folgende Übersicht fasst zusammen, welche Kennzahlen sich in der Praxis für Wohnprojekte mittlerer Größe (30–80 Einheiten) im DACH-Raum als belastbar erwiesen haben. Die Werte sind Erfahrungswerte aus der Vermarktung 2023/2024 und dienen als Orientierung, nicht als Garantie.

Phase

Zeitpunkt

Typische Absatzquote

Preisniveau (relativ)

Hauptkanäle

Kosten pro Abschluss

Pre-Marketing

−12 bis −6 Monate vor Baubeginn

0–10 %

−3 bis −5 %

Direktansprache, Bestandskundennetzwerk, Off-Market-Plattformen

niedrig

Vorverkauf

−6 bis 0 Monate

15–30 %

−2 bis 0 %

Vertriebsmakler, Landingpage, Fach-PR

mittel

Bauphase

Rohbau bis Innenausbau

40–60 %

Referenzpreis

Musterwohnung, Portale, Broker-Netzwerk, Print regional

hoch

Abverkauf

ab Fertigstellung

10–20 %

−2 bis −8 %

Portale, B2B-Vertrieb an Family Offices, Zweitverwerter

hoch bis sehr hoch

Der zentrale Erkenntniswert dieser Tabelle liegt in der Kombination aus Absatzquote und Kosten pro Abschluss: Der Vorverkauf ist die wirtschaftlich attraktivste Phase, wird in der Praxis aber häufig unterschätzt, weil Unterlagen und Vertriebsmaterialien noch nicht final sind. Wer hier investiert – in belastbare Visualisierungen, ein klares Preisblatt und eine funktionierende Interessentenpipeline –, verkürzt die Gesamtvermarktungsdauer messbar.

Kanalstrategie: Welche Wege heute tragen

Die Kanalwahl hat sich in den letzten Jahren deutlich verschoben. Die reine Portalstrategie – Inserat auf ImmoScout24, willhaben oder Homegate, ergänzt durch eine Projektwebsite – reicht in mittleren und höheren Preissegmenten nicht mehr aus, um die Vermarktungsdauer im Rahmen zu halten.

Portale bleiben Basis, aber nicht Alleinstellung

Portale bringen Reichweite, jedoch mit hoher Streuung. Für Objekte oberhalb von rund 6.000 EUR/m² in Deutschland und Österreich beziehungsweise 12.000 CHF/m² in der Schweiz wird die Qualifizierungsquote aus Portalanfragen zunehmend ineffizient. Portale sollten daher eher als Sichtbarkeitsinstrument und weniger als Hauptabschlusskanal geplant werden.

Broker-Netzwerke und kuratierte B2B-Plattformen

Der zweite Vertriebspfeiler – kuratierte Netzwerke und Fachmedien, die gezielt Käufergruppen mit Interesse an Neubau adressieren – gewinnt an Bedeutung. Der Vorteil: Die Vorqualifikation ist höher, der Streuverlust geringer. Bauträger arbeiten hier zunehmend mit exklusiv beauftragten Vertriebspartnern oder mit Kooperationen im Fachumfeld.

Direktansprache und Bestandskunden

Was in vielen Vertriebsplänen fehlt, ist die systematische Bearbeitung der eigenen Datenbasis. Käufer und Interessenten früherer Projekte sind statistisch die konversionsstärkste Gruppe. Für die Pre-Marketing-Phase gilt: Wer über 500 qualifizierte Kontakte aus Vorprojekten verfügt, kann daraus erfahrungsgemäß 3–7 Prozent der neuen Einheiten platzieren, bevor das Projekt öffentlich sichtbar wird.

Preislogik: Warum Nachlässe teurer sind als saubere Einstiegspreise

Ein wiederkehrender Fehler in der Vermarktung ist die verspätete Preisanpassung. Objekte, die zwölf Monate auf dem Markt sind, verlieren nicht nur Kapitalbindungskosten, sondern auch Vermarktbarkeit. Der Effekt ist kumulativ: Je länger eine Einheit sichtbar ist, desto größer wird der Nachlass, den Käufer erwarten.

Die Praxis zeigt, dass ein realistischer Einstiegspreis mit klar kommunizierter Vorverkaufsstaffel (z. B. −2 % für die ersten 20 % der Einheiten) sowohl höhere Gesamterlöse als auch kürzere Vermarktungszeiten produziert als ein initial ambitionierter Preis mit späteren Reduktionen.

Bemusterung als Preisanker

Ein oft übersehener Hebel ist die Bemusterung. Klar strukturierte Ausstattungspakete – Basis, Komfort, Premium – wirken als Ankerpunkte und erhöhen den durchschnittlichen Auftragswert pro Einheit um typischerweise 3–8 Prozent, ohne dass der Kaufpreis der Wohnung selbst verändert wird.

Zusammenarbeit zwischen Bauträger und Makler

Die Frage, ob intern, mit einem exklusiven Vertriebspartner oder über mehrere Makler parallel vermarktet werden soll, wird häufig zu spät entschieden. In der Praxis bewährt sich eine gestufte Struktur:

  • Pre-Marketing und Vorverkauf: Ein Hauptvertriebspartner mit klarer Zielvereinbarung und Zugriff auf Bestandsdaten.

  • Bauphase: Ergänzung durch zwei bis maximal vier weitere Makler mit definierten Regionen oder Zielgruppen.

  • Abverkauf: Öffnung für spezialisierte Vertriebshäuser, die Restposten in Portfolios oder an B2B-Käufer platzieren.

Wichtig ist eine saubere Provisionsstruktur, die Kannibalisierung vermeidet. Ein Modell, das sich im DACH-Raum durchgesetzt hat, ist die Innenprovision beim Bauträger mit gestaffelten Boni für frühe Abschlüsse – kombiniert mit einer klaren Reservierungslogik, die Doppelbelegungen ausschließt.

Kommunikation: Fakten statt Emotion

In der aktuellen Marktphase treffen Käufer nüchternere Entscheidungen. Emotionale Bildwelten und atmosphärische Beschreibungen wirken weniger als in den Vorjahren. Belastbare sind:

  • Grundrisse mit realistischen Möblierungsbeispielen und Flächenangaben nach WoFlV bzw. ÖNORM B 1800

  • Energiekennwerte, Heizsystem und laufende Betriebskosten

  • Bauzeitenplan mit klaren Meilensteinen

  • Referenzen zu abgeschlossenen Projekten des Bauträgers

  • Transparente Angaben zu Sonderwünschen und deren Fristen

Diese Informationen sollten nicht in Broschüren versteckt, sondern in den ersten drei Kontaktpunkten zugänglich sein. Die Konversion von Erstkontakt zu Besichtigung erhöht sich dadurch messbar.

Fazit: Vermarktung als integraler Projektbestandteil

Neubauvermarktung im DACH-Raum ist 2024 wieder das geworden, was sie vor der Niedrigzinsphase war: ein planbarer, mehrphasiger Prozess, der Zeit, Struktur und die richtigen Partner erfordert. Bauträger, die Vermarktung als integralen Projektbestandteil – nicht als nachgelagerten Verkauf – begreifen, erreichen kürzere Absatzzeiten und höhere Gesamterlöse. Die Vergleichstabelle oben zeigt, dass insbesondere die Pre-Marketing- und Vorverkaufsphase überproportional zum Vermarktungserfolg beitragen, wenn sie mit belastbarer Vorbereitung angegangen werden.

Ihr nächster Schritt

INVESTMENT & living arbeitet mit Bauträgern im DACH-Raum an der Positionierung und Vermarktung von Neubauprojekten. Wenn Sie prüfen möchten, welche Vermarktungsphase für Ihr laufendes oder geplantes Projekt aktuell den größten Hebel bietet, sprechen Sie uns an.

Kontakt: office@investmentandliving.com
Leitfaden für Bauträger-Partnerschaften: investmentandliving.com/fuer-bautraeger

Vom Rohbau zum verkauften Objekt: Vermarktungsstrategien für Bauträger im DACH-Raum

Die Rahmenbedingungen für Neubauprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich in den vergangenen 24 Monaten spürbar verschoben. Gestiegene Finanzierungskosten, längere Vermarktungszeiträume und eine kritischere Käuferschaft führen dazu, dass die klassische Vertriebslogik – Baubeginn, Bemusterung, Notartermin – nicht mehr automatisch trägt. Für Bauträger und die mit dem Erstvertrieb betrauten Maklerhäuser stellt sich damit weniger die Frage, ob vermarktet werden soll, sondern wann, mit welchen Kanälen und mit welcher Preislogik.

Dieser Beitrag ordnet die aktuellen Vermarktungsphasen ein, zeigt anhand einer Vergleichstabelle, welche Absatzquoten pro Projektphase realistisch sind, und benennt die Stellschrauben, an denen Sie als Bauträger oder Vertriebspartner ansetzen können.

Der Markt hat sich normalisiert – nicht verschlechtert

Die häufig zitierte „Krise am Neubaumarkt“ ist bei näherer Betrachtung eine Rückkehr zu Vermarktungszyklen, wie sie vor der Niedrigzinsphase üblich waren. Wo Wohnungen zwischen 2018 und 2021 teilweise vor Baubeginn zu 80 Prozent platziert waren, liegen die Vorverkaufsquoten heute im DACH-Raum je nach Lage und Preisniveau eher zwischen 15 und 40 Prozent zum Zeitpunkt des Spatenstichs. Das ist kein Ausnahmezustand, sondern der Regelfall.

Für die Vermarktung bedeutet das: Sie planen nicht mehr gegen eine kurze Kaufentscheidungsphase, sondern begleiten Interessenten über mehrere Monate. Die Konsequenz ist eine mehrstufige Vertriebsarchitektur, in der jede Phase eigene Instrumente, Materialien und Preisspielräume erfordert.

Die vier Phasen eines Neubauvertriebs

In der Praxis haben sich vier klar unterscheidbare Vermarktungsphasen etabliert. Sie unterscheiden sich in der Ansprache, im Fertigstellungsgrad der Unterlagen und in den erzielbaren Preisen.

1. Pre-Marketing (vor Baugenehmigung): Sichtbarkeit aufbauen, Interessentenlisten füllen, ohne konkrete Preise zu kommunizieren.
2. Vorverkauf (Baugenehmigung bis Rohbaubeginn): Erste Einheiten mit Frühzeichnerkonditionen platzieren.
3. Bauphase (Rohbau bis kurz vor Fertigstellung): Hauptvermarktung mit vollständiger Bemusterung und Musterwohnung.
4. Abverkauf (nach Fertigstellung): Restanten platzieren, oft mit veränderten Zielgruppen und Konditionen.

Vergleichstabelle: Vermarktungsphasen im Überblick

Die folgende Übersicht fasst zusammen, welche Kennzahlen sich in der Praxis für Wohnprojekte mittlerer Größe (30–80 Einheiten) im DACH-Raum als belastbar erwiesen haben. Die Werte sind Erfahrungswerte aus der Vermarktung 2023/2024 und dienen als Orientierung, nicht als Garantie.

Phase

Zeitpunkt

Typische Absatzquote

Preisniveau (relativ)

Hauptkanäle

Kosten pro Abschluss

Pre-Marketing

−12 bis −6 Monate vor Baubeginn

0–10 %

−3 bis −5 %

Direktansprache, Bestandskundennetzwerk, Off-Market-Plattformen

niedrig

Vorverkauf

−6 bis 0 Monate

15–30 %

−2 bis 0 %

Vertriebsmakler, Landingpage, Fach-PR

mittel

Bauphase

Rohbau bis Innenausbau

40–60 %

Referenzpreis

Musterwohnung, Portale, Broker-Netzwerk, Print regional

hoch

Abverkauf

ab Fertigstellung

10–20 %

−2 bis −8 %

Portale, B2B-Vertrieb an Family Offices, Zweitverwerter

hoch bis sehr hoch

Der zentrale Erkenntniswert dieser Tabelle liegt in der Kombination aus Absatzquote und Kosten pro Abschluss: Der Vorverkauf ist die wirtschaftlich attraktivste Phase, wird in der Praxis aber häufig unterschätzt, weil Unterlagen und Vertriebsmaterialien noch nicht final sind. Wer hier investiert – in belastbare Visualisierungen, ein klares Preisblatt und eine funktionierende Interessentenpipeline –, verkürzt die Gesamtvermarktungsdauer messbar.

Kanalstrategie: Welche Wege heute tragen

Die Kanalwahl hat sich in den letzten Jahren deutlich verschoben. Die reine Portalstrategie – Inserat auf ImmoScout24, willhaben oder Homegate, ergänzt durch eine Projektwebsite – reicht in mittleren und höheren Preissegmenten nicht mehr aus, um die Vermarktungsdauer im Rahmen zu halten.

Portale bleiben Basis, aber nicht Alleinstellung

Portale bringen Reichweite, jedoch mit hoher Streuung. Für Objekte oberhalb von rund 6.000 EUR/m² in Deutschland und Österreich beziehungsweise 12.000 CHF/m² in der Schweiz wird die Qualifizierungsquote aus Portalanfragen zunehmend ineffizient. Portale sollten daher eher als Sichtbarkeitsinstrument und weniger als Hauptabschlusskanal geplant werden.

Broker-Netzwerke und kuratierte B2B-Plattformen

Der zweite Vertriebspfeiler – kuratierte Netzwerke und Fachmedien, die gezielt Käufergruppen mit Interesse an Neubau adressieren – gewinnt an Bedeutung. Der Vorteil: Die Vorqualifikation ist höher, der Streuverlust geringer. Bauträger arbeiten hier zunehmend mit exklusiv beauftragten Vertriebspartnern oder mit Kooperationen im Fachumfeld.

Direktansprache und Bestandskunden

Was in vielen Vertriebsplänen fehlt, ist die systematische Bearbeitung der eigenen Datenbasis. Käufer und Interessenten früherer Projekte sind statistisch die konversionsstärkste Gruppe. Für die Pre-Marketing-Phase gilt: Wer über 500 qualifizierte Kontakte aus Vorprojekten verfügt, kann daraus erfahrungsgemäß 3–7 Prozent der neuen Einheiten platzieren, bevor das Projekt öffentlich sichtbar wird.

Preislogik: Warum Nachlässe teurer sind als saubere Einstiegspreise

Ein wiederkehrender Fehler in der Vermarktung ist die verspätete Preisanpassung. Objekte, die zwölf Monate auf dem Markt sind, verlieren nicht nur Kapitalbindungskosten, sondern auch Vermarktbarkeit. Der Effekt ist kumulativ: Je länger eine Einheit sichtbar ist, desto größer wird der Nachlass, den Käufer erwarten.

Die Praxis zeigt, dass ein realistischer Einstiegspreis mit klar kommunizierter Vorverkaufsstaffel (z. B. −2 % für die ersten 20 % der Einheiten) sowohl höhere Gesamterlöse als auch kürzere Vermarktungszeiten produziert als ein initial ambitionierter Preis mit späteren Reduktionen.

Bemusterung als Preisanker

Ein oft übersehener Hebel ist die Bemusterung. Klar strukturierte Ausstattungspakete – Basis, Komfort, Premium – wirken als Ankerpunkte und erhöhen den durchschnittlichen Auftragswert pro Einheit um typischerweise 3–8 Prozent, ohne dass der Kaufpreis der Wohnung selbst verändert wird.

Zusammenarbeit zwischen Bauträger und Makler

Die Frage, ob intern, mit einem exklusiven Vertriebspartner oder über mehrere Makler parallel vermarktet werden soll, wird häufig zu spät entschieden. In der Praxis bewährt sich eine gestufte Struktur:

  • Pre-Marketing und Vorverkauf: Ein Hauptvertriebspartner mit klarer Zielvereinbarung und Zugriff auf Bestandsdaten.

  • Bauphase: Ergänzung durch zwei bis maximal vier weitere Makler mit definierten Regionen oder Zielgruppen.

  • Abverkauf: Öffnung für spezialisierte Vertriebshäuser, die Restposten in Portfolios oder an B2B-Käufer platzieren.

Wichtig ist eine saubere Provisionsstruktur, die Kannibalisierung vermeidet. Ein Modell, das sich im DACH-Raum durchgesetzt hat, ist die Innenprovision beim Bauträger mit gestaffelten Boni für frühe Abschlüsse – kombiniert mit einer klaren Reservierungslogik, die Doppelbelegungen ausschließt.

Kommunikation: Fakten statt Emotion

In der aktuellen Marktphase treffen Käufer nüchternere Entscheidungen. Emotionale Bildwelten und atmosphärische Beschreibungen wirken weniger als in den Vorjahren. Belastbare sind:

  • Grundrisse mit realistischen Möblierungsbeispielen und Flächenangaben nach WoFlV bzw. ÖNORM B 1800

  • Energiekennwerte, Heizsystem und laufende Betriebskosten

  • Bauzeitenplan mit klaren Meilensteinen

  • Referenzen zu abgeschlossenen Projekten des Bauträgers

  • Transparente Angaben zu Sonderwünschen und deren Fristen

Diese Informationen sollten nicht in Broschüren versteckt, sondern in den ersten drei Kontaktpunkten zugänglich sein. Die Konversion von Erstkontakt zu Besichtigung erhöht sich dadurch messbar.

Fazit: Vermarktung als integraler Projektbestandteil

Neubauvermarktung im DACH-Raum ist 2024 wieder das geworden, was sie vor der Niedrigzinsphase war: ein planbarer, mehrphasiger Prozess, der Zeit, Struktur und die richtigen Partner erfordert. Bauträger, die Vermarktung als integralen Projektbestandteil – nicht als nachgelagerten Verkauf – begreifen, erreichen kürzere Absatzzeiten und höhere Gesamterlöse. Die Vergleichstabelle oben zeigt, dass insbesondere die Pre-Marketing- und Vorverkaufsphase überproportional zum Vermarktungserfolg beitragen, wenn sie mit belastbarer Vorbereitung angegangen werden.

Ihr nächster Schritt

INVESTMENT & living arbeitet mit Bauträgern im DACH-Raum an der Positionierung und Vermarktung von Neubauprojekten. Wenn Sie prüfen möchten, welche Vermarktungsphase für Ihr laufendes oder geplantes Projekt aktuell den größten Hebel bietet, sprechen Sie uns an.

Kontakt: office@investmentandliving.com
Leitfaden für Bauträger-Partnerschaften: investmentandliving.com/fuer-bautraeger

Vom Rohbau zum verkauften Objekt: Vermarktungsstrategien für Bauträger im DACH-Raum

Die Rahmenbedingungen für Neubauprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich in den vergangenen 24 Monaten spürbar verschoben. Gestiegene Finanzierungskosten, längere Vermarktungszeiträume und eine kritischere Käuferschaft führen dazu, dass die klassische Vertriebslogik – Baubeginn, Bemusterung, Notartermin – nicht mehr automatisch trägt. Für Bauträger und die mit dem Erstvertrieb betrauten Maklerhäuser stellt sich damit weniger die Frage, ob vermarktet werden soll, sondern wann, mit welchen Kanälen und mit welcher Preislogik.

Dieser Beitrag ordnet die aktuellen Vermarktungsphasen ein, zeigt anhand einer Vergleichstabelle, welche Absatzquoten pro Projektphase realistisch sind, und benennt die Stellschrauben, an denen Sie als Bauträger oder Vertriebspartner ansetzen können.

Der Markt hat sich normalisiert – nicht verschlechtert

Die häufig zitierte „Krise am Neubaumarkt“ ist bei näherer Betrachtung eine Rückkehr zu Vermarktungszyklen, wie sie vor der Niedrigzinsphase üblich waren. Wo Wohnungen zwischen 2018 und 2021 teilweise vor Baubeginn zu 80 Prozent platziert waren, liegen die Vorverkaufsquoten heute im DACH-Raum je nach Lage und Preisniveau eher zwischen 15 und 40 Prozent zum Zeitpunkt des Spatenstichs. Das ist kein Ausnahmezustand, sondern der Regelfall.

Für die Vermarktung bedeutet das: Sie planen nicht mehr gegen eine kurze Kaufentscheidungsphase, sondern begleiten Interessenten über mehrere Monate. Die Konsequenz ist eine mehrstufige Vertriebsarchitektur, in der jede Phase eigene Instrumente, Materialien und Preisspielräume erfordert.

Die vier Phasen eines Neubauvertriebs

In der Praxis haben sich vier klar unterscheidbare Vermarktungsphasen etabliert. Sie unterscheiden sich in der Ansprache, im Fertigstellungsgrad der Unterlagen und in den erzielbaren Preisen.

1. Pre-Marketing (vor Baugenehmigung): Sichtbarkeit aufbauen, Interessentenlisten füllen, ohne konkrete Preise zu kommunizieren.
2. Vorverkauf (Baugenehmigung bis Rohbaubeginn): Erste Einheiten mit Frühzeichnerkonditionen platzieren.
3. Bauphase (Rohbau bis kurz vor Fertigstellung): Hauptvermarktung mit vollständiger Bemusterung und Musterwohnung.
4. Abverkauf (nach Fertigstellung): Restanten platzieren, oft mit veränderten Zielgruppen und Konditionen.

Vergleichstabelle: Vermarktungsphasen im Überblick

Die folgende Übersicht fasst zusammen, welche Kennzahlen sich in der Praxis für Wohnprojekte mittlerer Größe (30–80 Einheiten) im DACH-Raum als belastbar erwiesen haben. Die Werte sind Erfahrungswerte aus der Vermarktung 2023/2024 und dienen als Orientierung, nicht als Garantie.

Phase

Zeitpunkt

Typische Absatzquote

Preisniveau (relativ)

Hauptkanäle

Kosten pro Abschluss

Pre-Marketing

−12 bis −6 Monate vor Baubeginn

0–10 %

−3 bis −5 %

Direktansprache, Bestandskundennetzwerk, Off-Market-Plattformen

niedrig

Vorverkauf

−6 bis 0 Monate

15–30 %

−2 bis 0 %

Vertriebsmakler, Landingpage, Fach-PR

mittel

Bauphase

Rohbau bis Innenausbau

40–60 %

Referenzpreis

Musterwohnung, Portale, Broker-Netzwerk, Print regional

hoch

Abverkauf

ab Fertigstellung

10–20 %

−2 bis −8 %

Portale, B2B-Vertrieb an Family Offices, Zweitverwerter

hoch bis sehr hoch

Der zentrale Erkenntniswert dieser Tabelle liegt in der Kombination aus Absatzquote und Kosten pro Abschluss: Der Vorverkauf ist die wirtschaftlich attraktivste Phase, wird in der Praxis aber häufig unterschätzt, weil Unterlagen und Vertriebsmaterialien noch nicht final sind. Wer hier investiert – in belastbare Visualisierungen, ein klares Preisblatt und eine funktionierende Interessentenpipeline –, verkürzt die Gesamtvermarktungsdauer messbar.

Kanalstrategie: Welche Wege heute tragen

Die Kanalwahl hat sich in den letzten Jahren deutlich verschoben. Die reine Portalstrategie – Inserat auf ImmoScout24, willhaben oder Homegate, ergänzt durch eine Projektwebsite – reicht in mittleren und höheren Preissegmenten nicht mehr aus, um die Vermarktungsdauer im Rahmen zu halten.

Portale bleiben Basis, aber nicht Alleinstellung

Portale bringen Reichweite, jedoch mit hoher Streuung. Für Objekte oberhalb von rund 6.000 EUR/m² in Deutschland und Österreich beziehungsweise 12.000 CHF/m² in der Schweiz wird die Qualifizierungsquote aus Portalanfragen zunehmend ineffizient. Portale sollten daher eher als Sichtbarkeitsinstrument und weniger als Hauptabschlusskanal geplant werden.

Broker-Netzwerke und kuratierte B2B-Plattformen

Der zweite Vertriebspfeiler – kuratierte Netzwerke und Fachmedien, die gezielt Käufergruppen mit Interesse an Neubau adressieren – gewinnt an Bedeutung. Der Vorteil: Die Vorqualifikation ist höher, der Streuverlust geringer. Bauträger arbeiten hier zunehmend mit exklusiv beauftragten Vertriebspartnern oder mit Kooperationen im Fachumfeld.

Direktansprache und Bestandskunden

Was in vielen Vertriebsplänen fehlt, ist die systematische Bearbeitung der eigenen Datenbasis. Käufer und Interessenten früherer Projekte sind statistisch die konversionsstärkste Gruppe. Für die Pre-Marketing-Phase gilt: Wer über 500 qualifizierte Kontakte aus Vorprojekten verfügt, kann daraus erfahrungsgemäß 3–7 Prozent der neuen Einheiten platzieren, bevor das Projekt öffentlich sichtbar wird.

Preislogik: Warum Nachlässe teurer sind als saubere Einstiegspreise

Ein wiederkehrender Fehler in der Vermarktung ist die verspätete Preisanpassung. Objekte, die zwölf Monate auf dem Markt sind, verlieren nicht nur Kapitalbindungskosten, sondern auch Vermarktbarkeit. Der Effekt ist kumulativ: Je länger eine Einheit sichtbar ist, desto größer wird der Nachlass, den Käufer erwarten.

Die Praxis zeigt, dass ein realistischer Einstiegspreis mit klar kommunizierter Vorverkaufsstaffel (z. B. −2 % für die ersten 20 % der Einheiten) sowohl höhere Gesamterlöse als auch kürzere Vermarktungszeiten produziert als ein initial ambitionierter Preis mit späteren Reduktionen.

Bemusterung als Preisanker

Ein oft übersehener Hebel ist die Bemusterung. Klar strukturierte Ausstattungspakete – Basis, Komfort, Premium – wirken als Ankerpunkte und erhöhen den durchschnittlichen Auftragswert pro Einheit um typischerweise 3–8 Prozent, ohne dass der Kaufpreis der Wohnung selbst verändert wird.

Zusammenarbeit zwischen Bauträger und Makler

Die Frage, ob intern, mit einem exklusiven Vertriebspartner oder über mehrere Makler parallel vermarktet werden soll, wird häufig zu spät entschieden. In der Praxis bewährt sich eine gestufte Struktur:

  • Pre-Marketing und Vorverkauf: Ein Hauptvertriebspartner mit klarer Zielvereinbarung und Zugriff auf Bestandsdaten.

  • Bauphase: Ergänzung durch zwei bis maximal vier weitere Makler mit definierten Regionen oder Zielgruppen.

  • Abverkauf: Öffnung für spezialisierte Vertriebshäuser, die Restposten in Portfolios oder an B2B-Käufer platzieren.

Wichtig ist eine saubere Provisionsstruktur, die Kannibalisierung vermeidet. Ein Modell, das sich im DACH-Raum durchgesetzt hat, ist die Innenprovision beim Bauträger mit gestaffelten Boni für frühe Abschlüsse – kombiniert mit einer klaren Reservierungslogik, die Doppelbelegungen ausschließt.

Kommunikation: Fakten statt Emotion

In der aktuellen Marktphase treffen Käufer nüchternere Entscheidungen. Emotionale Bildwelten und atmosphärische Beschreibungen wirken weniger als in den Vorjahren. Belastbare sind:

  • Grundrisse mit realistischen Möblierungsbeispielen und Flächenangaben nach WoFlV bzw. ÖNORM B 1800

  • Energiekennwerte, Heizsystem und laufende Betriebskosten

  • Bauzeitenplan mit klaren Meilensteinen

  • Referenzen zu abgeschlossenen Projekten des Bauträgers

  • Transparente Angaben zu Sonderwünschen und deren Fristen

Diese Informationen sollten nicht in Broschüren versteckt, sondern in den ersten drei Kontaktpunkten zugänglich sein. Die Konversion von Erstkontakt zu Besichtigung erhöht sich dadurch messbar.

Fazit: Vermarktung als integraler Projektbestandteil

Neubauvermarktung im DACH-Raum ist 2024 wieder das geworden, was sie vor der Niedrigzinsphase war: ein planbarer, mehrphasiger Prozess, der Zeit, Struktur und die richtigen Partner erfordert. Bauträger, die Vermarktung als integralen Projektbestandteil – nicht als nachgelagerten Verkauf – begreifen, erreichen kürzere Absatzzeiten und höhere Gesamterlöse. Die Vergleichstabelle oben zeigt, dass insbesondere die Pre-Marketing- und Vorverkaufsphase überproportional zum Vermarktungserfolg beitragen, wenn sie mit belastbarer Vorbereitung angegangen werden.

Ihr nächster Schritt

INVESTMENT & living arbeitet mit Bauträgern im DACH-Raum an der Positionierung und Vermarktung von Neubauprojekten. Wenn Sie prüfen möchten, welche Vermarktungsphase für Ihr laufendes oder geplantes Projekt aktuell den größten Hebel bietet, sprechen Sie uns an.

Kontakt: office@investmentandliving.com
Leitfaden für Bauträger-Partnerschaften: investmentandliving.com/fuer-bautraeger

Vom Rohbau zum verkauften Objekt: Vermarktungsstrategien für Bauträger im DACH-Raum

Die Rahmenbedingungen für Neubauprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich in den vergangenen 24 Monaten spürbar verschoben. Gestiegene Finanzierungskosten, längere Vermarktungszeiträume und eine kritischere Käuferschaft führen dazu, dass die klassische Vertriebslogik – Baubeginn, Bemusterung, Notartermin – nicht mehr automatisch trägt. Für Bauträger und die mit dem Erstvertrieb betrauten Maklerhäuser stellt sich damit weniger die Frage, ob vermarktet werden soll, sondern wann, mit welchen Kanälen und mit welcher Preislogik.

Dieser Beitrag ordnet die aktuellen Vermarktungsphasen ein, zeigt anhand einer Vergleichstabelle, welche Absatzquoten pro Projektphase realistisch sind, und benennt die Stellschrauben, an denen Sie als Bauträger oder Vertriebspartner ansetzen können.

Der Markt hat sich normalisiert – nicht verschlechtert

Die häufig zitierte „Krise am Neubaumarkt“ ist bei näherer Betrachtung eine Rückkehr zu Vermarktungszyklen, wie sie vor der Niedrigzinsphase üblich waren. Wo Wohnungen zwischen 2018 und 2021 teilweise vor Baubeginn zu 80 Prozent platziert waren, liegen die Vorverkaufsquoten heute im DACH-Raum je nach Lage und Preisniveau eher zwischen 15 und 40 Prozent zum Zeitpunkt des Spatenstichs. Das ist kein Ausnahmezustand, sondern der Regelfall.

Für die Vermarktung bedeutet das: Sie planen nicht mehr gegen eine kurze Kaufentscheidungsphase, sondern begleiten Interessenten über mehrere Monate. Die Konsequenz ist eine mehrstufige Vertriebsarchitektur, in der jede Phase eigene Instrumente, Materialien und Preisspielräume erfordert.

Die vier Phasen eines Neubauvertriebs

In der Praxis haben sich vier klar unterscheidbare Vermarktungsphasen etabliert. Sie unterscheiden sich in der Ansprache, im Fertigstellungsgrad der Unterlagen und in den erzielbaren Preisen.

1. Pre-Marketing (vor Baugenehmigung): Sichtbarkeit aufbauen, Interessentenlisten füllen, ohne konkrete Preise zu kommunizieren.
2. Vorverkauf (Baugenehmigung bis Rohbaubeginn): Erste Einheiten mit Frühzeichnerkonditionen platzieren.
3. Bauphase (Rohbau bis kurz vor Fertigstellung): Hauptvermarktung mit vollständiger Bemusterung und Musterwohnung.
4. Abverkauf (nach Fertigstellung): Restanten platzieren, oft mit veränderten Zielgruppen und Konditionen.

Vergleichstabelle: Vermarktungsphasen im Überblick

Die folgende Übersicht fasst zusammen, welche Kennzahlen sich in der Praxis für Wohnprojekte mittlerer Größe (30–80 Einheiten) im DACH-Raum als belastbar erwiesen haben. Die Werte sind Erfahrungswerte aus der Vermarktung 2023/2024 und dienen als Orientierung, nicht als Garantie.

Phase

Zeitpunkt

Typische Absatzquote

Preisniveau (relativ)

Hauptkanäle

Kosten pro Abschluss

Pre-Marketing

−12 bis −6 Monate vor Baubeginn

0–10 %

−3 bis −5 %

Direktansprache, Bestandskundennetzwerk, Off-Market-Plattformen

niedrig

Vorverkauf

−6 bis 0 Monate

15–30 %

−2 bis 0 %

Vertriebsmakler, Landingpage, Fach-PR

mittel

Bauphase

Rohbau bis Innenausbau

40–60 %

Referenzpreis

Musterwohnung, Portale, Broker-Netzwerk, Print regional

hoch

Abverkauf

ab Fertigstellung

10–20 %

−2 bis −8 %

Portale, B2B-Vertrieb an Family Offices, Zweitverwerter

hoch bis sehr hoch

Der zentrale Erkenntniswert dieser Tabelle liegt in der Kombination aus Absatzquote und Kosten pro Abschluss: Der Vorverkauf ist die wirtschaftlich attraktivste Phase, wird in der Praxis aber häufig unterschätzt, weil Unterlagen und Vertriebsmaterialien noch nicht final sind. Wer hier investiert – in belastbare Visualisierungen, ein klares Preisblatt und eine funktionierende Interessentenpipeline –, verkürzt die Gesamtvermarktungsdauer messbar.

Kanalstrategie: Welche Wege heute tragen

Die Kanalwahl hat sich in den letzten Jahren deutlich verschoben. Die reine Portalstrategie – Inserat auf ImmoScout24, willhaben oder Homegate, ergänzt durch eine Projektwebsite – reicht in mittleren und höheren Preissegmenten nicht mehr aus, um die Vermarktungsdauer im Rahmen zu halten.

Portale bleiben Basis, aber nicht Alleinstellung

Portale bringen Reichweite, jedoch mit hoher Streuung. Für Objekte oberhalb von rund 6.000 EUR/m² in Deutschland und Österreich beziehungsweise 12.000 CHF/m² in der Schweiz wird die Qualifizierungsquote aus Portalanfragen zunehmend ineffizient. Portale sollten daher eher als Sichtbarkeitsinstrument und weniger als Hauptabschlusskanal geplant werden.

Broker-Netzwerke und kuratierte B2B-Plattformen

Der zweite Vertriebspfeiler – kuratierte Netzwerke und Fachmedien, die gezielt Käufergruppen mit Interesse an Neubau adressieren – gewinnt an Bedeutung. Der Vorteil: Die Vorqualifikation ist höher, der Streuverlust geringer. Bauträger arbeiten hier zunehmend mit exklusiv beauftragten Vertriebspartnern oder mit Kooperationen im Fachumfeld.

Direktansprache und Bestandskunden

Was in vielen Vertriebsplänen fehlt, ist die systematische Bearbeitung der eigenen Datenbasis. Käufer und Interessenten früherer Projekte sind statistisch die konversionsstärkste Gruppe. Für die Pre-Marketing-Phase gilt: Wer über 500 qualifizierte Kontakte aus Vorprojekten verfügt, kann daraus erfahrungsgemäß 3–7 Prozent der neuen Einheiten platzieren, bevor das Projekt öffentlich sichtbar wird.

Preislogik: Warum Nachlässe teurer sind als saubere Einstiegspreise

Ein wiederkehrender Fehler in der Vermarktung ist die verspätete Preisanpassung. Objekte, die zwölf Monate auf dem Markt sind, verlieren nicht nur Kapitalbindungskosten, sondern auch Vermarktbarkeit. Der Effekt ist kumulativ: Je länger eine Einheit sichtbar ist, desto größer wird der Nachlass, den Käufer erwarten.

Die Praxis zeigt, dass ein realistischer Einstiegspreis mit klar kommunizierter Vorverkaufsstaffel (z. B. −2 % für die ersten 20 % der Einheiten) sowohl höhere Gesamterlöse als auch kürzere Vermarktungszeiten produziert als ein initial ambitionierter Preis mit späteren Reduktionen.

Bemusterung als Preisanker

Ein oft übersehener Hebel ist die Bemusterung. Klar strukturierte Ausstattungspakete – Basis, Komfort, Premium – wirken als Ankerpunkte und erhöhen den durchschnittlichen Auftragswert pro Einheit um typischerweise 3–8 Prozent, ohne dass der Kaufpreis der Wohnung selbst verändert wird.

Zusammenarbeit zwischen Bauträger und Makler

Die Frage, ob intern, mit einem exklusiven Vertriebspartner oder über mehrere Makler parallel vermarktet werden soll, wird häufig zu spät entschieden. In der Praxis bewährt sich eine gestufte Struktur:

  • Pre-Marketing und Vorverkauf: Ein Hauptvertriebspartner mit klarer Zielvereinbarung und Zugriff auf Bestandsdaten.

  • Bauphase: Ergänzung durch zwei bis maximal vier weitere Makler mit definierten Regionen oder Zielgruppen.

  • Abverkauf: Öffnung für spezialisierte Vertriebshäuser, die Restposten in Portfolios oder an B2B-Käufer platzieren.

Wichtig ist eine saubere Provisionsstruktur, die Kannibalisierung vermeidet. Ein Modell, das sich im DACH-Raum durchgesetzt hat, ist die Innenprovision beim Bauträger mit gestaffelten Boni für frühe Abschlüsse – kombiniert mit einer klaren Reservierungslogik, die Doppelbelegungen ausschließt.

Kommunikation: Fakten statt Emotion

In der aktuellen Marktphase treffen Käufer nüchternere Entscheidungen. Emotionale Bildwelten und atmosphärische Beschreibungen wirken weniger als in den Vorjahren. Belastbare sind:

  • Grundrisse mit realistischen Möblierungsbeispielen und Flächenangaben nach WoFlV bzw. ÖNORM B 1800

  • Energiekennwerte, Heizsystem und laufende Betriebskosten

  • Bauzeitenplan mit klaren Meilensteinen

  • Referenzen zu abgeschlossenen Projekten des Bauträgers

  • Transparente Angaben zu Sonderwünschen und deren Fristen

Diese Informationen sollten nicht in Broschüren versteckt, sondern in den ersten drei Kontaktpunkten zugänglich sein. Die Konversion von Erstkontakt zu Besichtigung erhöht sich dadurch messbar.

Fazit: Vermarktung als integraler Projektbestandteil

Neubauvermarktung im DACH-Raum ist 2024 wieder das geworden, was sie vor der Niedrigzinsphase war: ein planbarer, mehrphasiger Prozess, der Zeit, Struktur und die richtigen Partner erfordert. Bauträger, die Vermarktung als integralen Projektbestandteil – nicht als nachgelagerten Verkauf – begreifen, erreichen kürzere Absatzzeiten und höhere Gesamterlöse. Die Vergleichstabelle oben zeigt, dass insbesondere die Pre-Marketing- und Vorverkaufsphase überproportional zum Vermarktungserfolg beitragen, wenn sie mit belastbarer Vorbereitung angegangen werden.

Ihr nächster Schritt

INVESTMENT & living arbeitet mit Bauträgern im DACH-Raum an der Positionierung und Vermarktung von Neubauprojekten. Wenn Sie prüfen möchten, welche Vermarktungsphase für Ihr laufendes oder geplantes Projekt aktuell den größten Hebel bietet, sprechen Sie uns an.

Kontakt: office@investmentandliving.com
Leitfaden für Bauträger-Partnerschaften: investmentandliving.com/fuer-bautraeger

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